Gespräch zum Jahresauftakt: Interview mit Klaas Johannink

Mit einem Marathonlauf vergleicht Klaas Johannink, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim, die aktuelle Corona-Situation für die Grafschafter Wirtschaft und veranschaulicht so im Gespräch mit Michael Terhörst, Chefredakteur der Wirtschaft aktuell, die Lage der Unternehmen. Ende Januar trafen sich die beiden in einer Videokonferenz zum Interview, aus dem wir im Folgenden vorab einen Auszug veröffentlichen.

Terhörst: Herr Johannink, normalerweise findet in diesen Tagen der Neujahrsempfang der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim statt, bei dem Sie auch immer einen Blick auf die aktuelle Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Grafschaft Bentheim werfen. Aufgrund der Corona-Pandemie fällt die Veranstaltung nun in diesem Jahr aus. Deshalb lassen Sie uns das doch in diesem Gespräch machen. Wie geht es der Wirtschaft in der Region zurzeit?
Johannink: Der Wirtschaft in der Grafschaft geht es ziemlich durchwachsen. Um es mit dem vielbeschworenen Bild des Marathons zu sagen: Wir befinden uns zurzeit auf dem sagenumwobenen Kilometer 30, wo es anfängt wehzutun und man anfängt genervt zu sein, weil man weiß, dass man noch zwölf Kilometer weiter muss. In unserer Situation stellt es sich sogar noch schwieriger dar, weil wir nicht wissen, wie lange es noch dauern wird. Das birgt viel Frustpotenzial, weil es, um zum Bild zurückzukommen, auch bei den Unternehmen schon brennt in den Muskeln.  

Terhörst: Was würden Sie sich in diesem Zusammenhang von der Politik wünschen?
Johannink: Eine gewisse Planbarkeit und eine Perspektive wären wünschenswert. Das Land Niedersachsen hat bereits den Entwurf eines Stufenplanes vorgelegt und es wäre für die Wirtschaft wichtig, wenn so ein Plan auch wirklich in Kraft treten würde. Dann könnten alle ein wenig besser planen, weil wir beispielsweise wüssten, was bei einem bestimmten Inzidenzwert passiert.

Terhörst: Wie hart hat die Corona-Pandemie den Wirtschaftsstandort Grafschaft Bentheim getroffen?
Johannink: Die Wirtschaftsvereinigung hat dazu in den vergangenen Monaten mehrere Mitgliederbefragungen gemacht. Darin zeigt sich ein heterogenes Bild. Natürlich sind Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie dramatisch betroffen. Es gibt aber durchaus auch erfreuliche Nachrichten zum Beispiel aus der Industrie, dem Bausektor und auch aus einigen anderen Branchen, die das Jahr 2020 besser abgeschlossen haben als sie es noch im vergangenen Sommer befürchtet haben. Anfang 2021 haben doch recht viele Unternehmen mitgeteilt, dass sie ihr Umsatzvolumen halten oder sogar leicht erhöhen konnten. Daraus lässt sich zumindest ein wenig Optimismus ableiten – allerdings alles auf einem gedrückten Niveau.

Terhörst: Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Unternehmen in der Grafschaft die Krise mit einem blauen Auge überstehen werden?
Johannink: Ich bin da einigermaßen zuversichtlich. Die Grafschaft ist mittlerweile wirtschaftlich recht breit aufgestellt. Aber es wird auch viele Unternehmen geben, die es treffen wird. Daher schaue ich mit ein wenig Sorge auf das Insolvenzgeschehen. 2020 hatten wir weniger Insolvenzen als 2019, hier wurde vieles aufgeschoben, sodass ich davon ausgehe, dass uns das in einer Welle wieder einholen wird. Und das kann auch Auswirkungen auf an und für sich gesunde Unternehmen haben, die zurzeit gut durch die Krise gekommen sind und die so schnell es geht wieder Gas geben wollen. Darüber hinaus habe ich auch Bedenken mit Blick auf den psychologischen Effekt, der entsteht, wenn Einzelhandel, Gastronomie und Co. die Schaufenster vernageln und die Innenstädte Staub ansetzen. Das mag zwar in Euro und Cent betrachtet nicht der größte Block sein, aber es macht eine ganze Menge in der Wahrnehmung und der Psychologie der Menschen aus. Auf der anderen Seite bin ich aber auch optimistisch, weil es durchaus vielversprechende Initiativen gibt. Ich denke da unter anderem an die Innenstadtentwicklung in Nordhorn. Hier gibt es sehr pfiffige Ideen, wie man die Innenstadt weiterhin spannend halten und Leerstände reduzieren kann.

Das komplette Interview mit Herrn Johannink können Sie in der nächsten Ausgabe der Wirtschaft aktuell nachlesen.