Erfahrungsaustausch: Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT beschäftigt sich mit Auswirkungen von Corona auf Ausbildung

Bildunterschrift: Trafen sich im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft zum virtuellen Austausch über das Thema „Corona und die Folgen für Unternehmen und Schulen“ v.l.n.r.: Günther Bergmann und Oliver Hindricks von den KBS, Jennifer Gray von der Stemmann-Technik GmbH, Jutta Lübbert von der WV, Wolfgang Schönnagel von den KBS und Nina Peuckert von der WV.

Ein Jahr schon hält die Coronapandemie die Welt in Atem. Auch Unternehmen und Bildungseinrichtungen mussten sich in den vergangenen zwölf Monaten neuen Herausforderungen stellen. Wie dies bewerkstelligt wurde, haben nun Firmenvertreter und Lehrkräfte bei einem virtuellen Austausch im Rahmen des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, initiiert von der Wirtschaftsvereinigung (WV) Grafschaft Bentheim, berichtet – und dabei auch Wege für künftige Kooperationen ins Auge gefasst. Auf beiden Seiten zeigte sich: Aspekte wie Kommunikation und Flexibilität sind in Krisenzeiten gefragter denn je.

WV-Geschäftsführerin Jutta Lübbert und der neue Arbeitskreisleiter Günther Bergmann von den Kaufmännischen Berufsbildenden Schulen (KBS) hießen das Video-Plenum willkommen und übergaben das Wort sogleich an Oberstudiendirektor und KBS-Schulleiter Wolfgang Schönnagel, der Einblicke in das Schulleben unter Corona-Bedingungen lieferte. Es zahle sich aus, dass digitale Medien heute zum Alltag der jungen Leute gehören und es für sie somit kein Problem darstellt, Apps oder Erklärvideos zu nutzen. Innerhalb des Kollegiums finde ein reger Austausch über die Nutzung digitaler Medien statt, sodass auch Lehrer, die sich bisher schwerer damit täten, mitgenommen wurden.

Schönnagel sagt aber auch: „Der Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen.“ Auch wenn sich das Unterrichten per Video eingespielt habe, fehlten doch der direkte Blickkontakt und die Möglichkeit, auf spontane Äußerungen zu reagieren.

Ein teilnehmender Schulvertreter aus dem Plenum äußerte sich spontan und richtete den Blick auf die soziale Komponente: Manche Schüler schalteten beim Distanzunterricht ihre Kamera nicht ein, weil niemand sehen soll, wie es bei ihnen zu Hause aussieht. Es werde versucht, Schüler aus problematischen Verhältnissen in die Schule zu holen. Die Zeit zwischen dem 13. und 25. Lebensjahr sei extrem wichtig für die weitere Entwicklung, betont der Lehrer.

Wie es in der Arbeitswelt aussieht, darüber referierte exemplarisch Jennifer Gray, Personalleiterin der Stemmann-Technik GmbH aus Schüttorf. Dort galt es, sowohl für die Beschäftigten aus der Produktion als auch aus dem kaufmännischen Bereich geeignete Lösungen zu finden. „Die größte Herausforderung ist das Menschliche“, sagt Jennifer Gray mit Blick auf die Not-wendigkeit, das Geschehen und die Maßnahmen immer wieder zu moderieren. Dazu zählten etwa wöchentliche Video-Inforunden für die Bürokräfte, während die Produktionsmitarbeiter über deren Führungskräfte auf dem Laufenden gehalten wurden. „Es geht nur, wenn alle mitziehen“, lautet eine zentrale Erkenntnis. Als richtig erwiesen habe sich insgesamt die Strategie, „auf Sicht zu fahren“, stets aktuelle Informationen auszuwerten und nicht nur proaktiv zu handeln.

Die von Jennifer Gray geäußerte Schwierigkeit, unter Corona-Bedingungen mit potentiellen Auszubildenden in Kontakt zu treten, bestimmte auch den anschließenden Austausch zwischen Schul- und Firmenvertretern. Da der persönliche Kontakt – etwa durch abgesagte Berufsmessen oder Praktika – wegfalle, blieben die Schulen als Werbepartner für Unternehmen unerlässlich. Besonders betroffen von dieser Problematik seien weniger populäre Berufsbilder.

Die Dringlichkeit, Berufsorientierungsangebote auch weiterhin den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung zu stellen, darin sind sich Schul- und Unternehmensvertreter einig. Den Unternehmen falle es in der aktuellen Lage allerdings schwer, konkrete Versprechen abzugeben, erklärt Gray.

„Es gibt bereits gute digitale Formate für Berufsorientierung“, sagt Jutta Lübbert von der WV Grafschaft Bentheim. Ein Beispiel ist das digitale Azubi-Speed-Dating für die Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim am 24. März 2021, auf das Mathias Hinzmann von der Agentur für Arbeit aus dem Plenum hinwies. Vor diesem Hintergrund schlug Lübbert vor, regelmäßig Informationen zu Berufsorientierungsformaten von Schulen, Partnern und Mitgliedsunternehmen zu bündeln und an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft weiterzuleiten. Arbeitskreisleiter Günther Bergmann zeigte sich abschließend zuversichtlich, die Aufgaben gemeinsam bewältigen zu können: „Wir werden im Austausch bleiben und gemeinsam Wege finden, diese Situation gut zu meistern.“