Wirtschaftsvereinigung unterstützt Pläne zur SPNV-Erweiterung in der Grafschaft

Freie Fahrt für den „Regiopa“-Express: Die Wirtschaftsvereinigung (WV) der Grafschaft Bentheim steht hinter dem Vorhaben, den hiesigen Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Richtung Emlichheim und Coevorden zu erweitern. Dies betonten WV-Geschäftsführerin Jutta Lübbert und Vorsitzender Klaas Johannink während der jüngsten Vorstandssitzung Ende Februar. Als Gastredner wohnte Joachim Berends, Vorstand der Bentheimer Eisenbahn (BE), der virtuellen Zusammenkunft bei und informierte über den aktuellen Stand des Projekts. Dieser machte deutlich, es seien alle wichtigen Untersuchungen abgeschlossen – man warte nur noch auf den positiven Bescheid aus Hannover.

Ein Rückblick: Seit dem 7. Juli 2019 rollen die blauen Triebwagen auf der 28 Kilometer langen Strecke zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus und verbinden Ober- und Niedergrafschaft im Stundentakt. „Die Grafschafter haben den Zug von Anfang an vollständig akzeptiert“, freut sich Berends. So hätten vor Beginn der Corona-Pandemie bis zu 2500 Menschen täglich das neue Angebot genutzt. Der „Regiopa“ zeichne sich dabei als zuverlässiges Verkehrsmittel aus: Nicht nur weise er eine Pünktlichkeit von 99 Prozent auf, auch dem starken Schneefall vor wenigen Wochen habe er – als überall sonst in Niedersachsen der Schienenverkehr zum Erliegen kam – erfolgreich die Stirn geboten.

Schon jetzt seien positive Effekte der SPNV-Reaktivierung in puncto Regionalentwicklung spürbar, erklärt Berends und berichtet von entsprechenden Rückmeldungen aus den Rathäusern von Nordhorn und Neuenhaus. „Dies wird mit dem zweiten Abschnitt noch einmal an Fahrt gewinnen“, ist der BE-Vorstand überzeugt. Innerhalb einer guten Stunde sollen Passagiere dann von Bad Bentheim nach Coevorden reisen können, wo direkte Umstiegsmöglichkeiten in Richtung der Großstädte Emmen und Zwolle vorhanden sind. Auf niederländischer Seite habe man bereits eine Finanzierung in Höhe von 13 Millionen Euro zur Verwirklichung des Projekts zugesagt, unter anderem soll am Bahnhof Coevorden ein neuer Bahnsteig zur Aufnahme des „Regiopa“-Express entstehen. Darüber hinaus sei der Bau einer neuen Strecke zwischen Emmen und Groningen geplant.

Joachim Berends sieht im Zusammenhang mit der SPNV-Erweiterung eine deutliche Steigerung der Attraktivität der Region als Wirtschaftsstandort für Unternehmen und Arbeitnehmer. Er verweist dabei auch auf das Jobticket, welches schon jetzt rege in Anspruch genommen werde. Nun hofft er, dass Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann zeitnah eine Entscheidung zugunsten der Pläne übermittelt: „Wir befinden uns aktuell in der Entscheidungsphase“, sagte er an die Vorstandsmitglieder der Wirtschaftsvereinigung gerichtet.

WV-Vorsitzender Klaas Johannink sicherte Berends den Rückhalt der Vereinigung zu und brachte seinerseits den Wunsch zum Ausdruck, dass „aus der Sackgasse in Neuenhaus ein Durchgang“ werden möge, der größere Zentren mit dem Zug erreichbar macht. Gefragt nach den Auswirkungen der Pandemie, meinte Berends, dies sei lediglich eine temporäre Herausforderung: „Corona wird nicht nachhaltig stören. Der Klimawandel ist trotz Corona nicht von der Tagesordnung verschwunden.“ Hinsichtlich Umweltfreundlichkeit seien langfristig auch die Elektrifizierung der BE-Strecke für den Güterverkehr sowie ein Wasserstoffantrieb für die Personenzüge ein Thema. Mit einer Entscheidung zum zweiten Teil der SPNV-Reaktivierung rechnet Berends im kommenden April.