Digitale Roadmap: Digitalisierungsprojekte vorgestellt

Die Digitalisierung ist in aller Munde – doch wie setzen Unternehmen ihre individuellen Digitalisierungsprojekte erfolgreich um? Etwa 100 Gäste folgten der Einladung der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim in den NINO-Hochbau nach Nordhorn, um bei der Veranstaltung „Digitale Roadmap – wie Sie Ihr Digitalisierungsprojekt erfolgreich starten und umsetzen können“ dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Insgesamt vier Vertreter aus Wirtschaft und Bildung gaben dabei einen Einblick in die Entwicklung ihrer Digitalisierungsstrategie. In einer Sache waren sich alle Referenten einig: Ohne die Unterstützung der Mitarbeiter ist es so gut wie unmöglich, Digitalisierung im eigenen Unternehmen durchzusetzen. Moritz Böcking, Managing Director bei Klasmann-Deilmann aus Geeste, verdeutlichte: „Die Begeisterung für die Digitalisierung kommt von unseren jungen Mitarbeitern. Unsere erfahrenen Kräfte hingegen haben das notwendige Know-how und kennen die Prozesse in unserem Unternehmen sehr gut. Wir benötigen beides, um digitale Lösungen zu entwickeln.“ Klasmann-Deilmann beschäftigt sich bereits seit zehn Jahren mit der Digitalisierung. Aktuell arbeitet das Unternehmen, das sich auf die Gewinnung von Torfrohstoffen, die Herstellung von Holzfasern und Grünkompost sowie auf Kultursubstrate spezialisiert hat, an einem digitalen Servicemodell. Böckings Tipp an die Gäste: „Fangen Sie klein an. Und machen Sie sich bewusst, warum Sie die Digitalisierung im Unternehmen vorantreiben wollen – letztendlich braucht es einen Mehrwert für den Kunden.“

Dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich bei der Suche nach digitalen Lösungen externe Unterstützung ins Boot zu holen, machte Michael Giesen klar. Der Kaufmännische Leiter bei Wink Stanzwerkzeuge aus Neuenhaus erläuterte: „Heutzutage setzen mehr und mehr Betriebe auf ein professionelles Enterprise-Resource-Planning-System, kurz ERP. Wir aber hatten stets eine selbstprogrammierte Lösung im Einsatz. Nachdem wir uns schließlich dazu entschieden hatten, auf ein professionelles System umzusteigen, hat nicht die Geschäftsführung allein beschlossen, welches ERP wir nutzen wollen. Stattdessen hat ein sechszehnköpfiges Mitarbeiterteam gemeinsam mit externen Experten unser Unternehmen unter die Lupe genommen und sich schließlich für eine Lösung entschieden.“ Für den Stanzwerkzeughersteller Wink sei das der beste und der richtige Weg gewesen.

Dass die Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden müssen und der Weg „Top Down“ bei der Digitalisierung nicht funktioniert, betonte auch Professor Dr. Ingmar Ickerott, Dekan der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen und Vizepräsident für Digitalisierung an der Hochschule Osnabrück. „Die Schlüsselfaktoren lauten: Kommunikation und Motivation. Jedes Unternehmen muss einen Weg zwischen ‚Top Down‘ und ‚Bottom Up‘ finden. Der zentrale Auslöser ist das Kundenverhalten“, betonte Ickerott. In der Hochschullandschaft bedeute dies, auf das Verhalten der Studierenden zu reagieren, die besonders affin für digitale Lösungen seien. „Wir brauchen neue Technologien und müssen in diesem Zuge die Hochschullehrerinnen und -lehrer für neue Lehransätze gewinnen.“ Er beschrieb die Digitalisierung als permanenten Prozess, der vor allem Fähigkeiten in den Vordergrund stellen muss. „Wichtig sind die Menschen – wir müssen den Fokus auf die Skills, also die Fähigkeiten, nicht auf die Tools, also die Werkzeuge, legen.“

Auch bei der LIST AG, die Holding der List Gruppe, die Bauprojekte entwickelt, plant und baut, steht dieser Grundsatz an oberster Stelle. IT-Leiter Dr. Henning Krüp erläuterte: „Um in der Digitalisierung voranzukommen, brauchen wir die richtigen Leute. Digitale Systeme sind hilfreich und notwendig, aber sie ersetzen keine Menschen. Deshalb ist es wichtig, sich mehr um sie zu kümmern. Denn die besten Tools und Apps nützen niemandem etwas, wenn keiner damit umgehen kann.“ Er legte den Gästen nahe, die Digitalisierung nicht von heute auf morgen im gesamten Unternehmen durchsetzen zu wollen. Kleine Schritte und Erfolge seien hilfreicher und sinnvoller. Im eigenen Unternehmen setzt die LIST AG unter anderem auf ein Dokumentenmanagementsystem. Daten und Akten sind mithilfe dieser Lösung jederzeit über ein mobiles Gerät verfügbar. „Das ist wichtig, damit unsere Bauleiter auf jeder Baustelle auf alle relevanten Informationen Zugriff haben“, erklärte Krüp. „Früher haben wir jeweils große Mengen Aktenordner zu den Baustellen geschleppt. Das hat sich durch unser digitales System geändert.“

Im Anschluss an ihre Impulsvorträge stellten sich die Referenten den Fragen von Moderator Klaas Johannink, Geschäftsführer der Ringoplast GmbH und Vorstandsvorsitzender sowie verantwortliches Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung für das Kompetenzfeld Digitalisierung und Innovation. Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim, betonte: „Alle vier Referenten haben wertvollen Input für unsere Gäste geliefert und klar gemacht: Digitalisierung geht jedes Unternehmen etwas an und ist auch in jedem Unternehmen umsetzbar.“

Bildunterschrift: Berichteten über ihre Digitalisierungsprojekte und stellten sich der anschließenden Diskussion (v.l.n.r.): Michael Giesen (Wink Stanzwerkzeuge GmbH & Co. KG), Dr. Henning Krüp (List AG), Prof. Dr. Ingmar Ickerott (Hochschule Osnabrück am Campus Lingen), Moritz Böcking (Klasmann-Deilmann GmbH), hier mit Moderator Klaas Johannink, Geschäftsführer der Ringoplast GmbH und  Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim (rechts außen).