Im Dialog mit dem Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer

Der europäische Zusammenhalt erfährt unruhige Zeiten – doch um den Handel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist es nach wie vor gut bestellt: Dies versicherte jüngst Günter Gülker, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) mit Sitz in Den Haag. Gülker war auf Einladung der Grafschafter Wirtschaftsvereinigung nach Nordhorn gekommen, um im Rahmen eines „Mittagsgesprächs“ mit hiesigen Unternehmern in den Austausch zu treten. In einer engagierten Rede ermutigte er die Firmenvertreter, die Chancen des niederländischen Marktes zu nutzen.

Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, hieß Gülker und die weiteren Gäste im NINO-Hochbau willkommen und verwies auf die Bedeutung der Grenznähe für die Grafschaft Bentheim: Schon seit Jahrhunderten habe es Wanderbewegungen zwischen beiden Ländern gegeben und seit jeher seien die Niederlande ein Absatzmarkt für die Betriebe in der Region gewesen.

Günter Gülker, der seinerseits Grafschafter Wurzeln hat, bestätigte das gute Verhältnis der Staaten mit einem Blick auf die Zahlen: Demnach wachse der Handelsaustausch zwischen Deutschland und den Niederlanden weiter deutlich (2017 um 10 Prozent, 2018 um 8 Prozent). Nach China seien die Niederlande der zweitwichtigste Handelspartner für die Bundesrepublik, noch vor den USA und Frankreich. Dieser „zweite Platz“ habe sich inzwischen stabilisiert.

„Die wirtschaftliche Situation in den Niederlanden ist weiterhin gut“, meinte Gülker. Dass das niederländische Wirtschaftswachstum rückläufig ist – 2017 lag dieses noch bei 3 Prozent und 2018 bei 2,5 Prozent, für 2019 werden 1,5 Prozent prognostiziert – sei keine Abwärtsspirale, sondern eine Normalisierung aufgrund der sich abkühlenden Weltkonjunktur. Die westlichen Nachbarn hätten zudem eine stabile Binnennachfrage, Haushaltsüberschuss sowie Vollbeschäftigung in vielen Sektoren vorzuweisen.

Als das zurzeit herausragende Thema, welches auch deutschen Unternehmen viele Möglichkeiten zum wirtschaftlichen Fußfassen in den Niederlanden biete, nannte Günter Gülker die Energiewende. „Mit der Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger sind die Niederlande vergleichsweise spät gestartet“, berichtet der DNHK-Geschäftsführer. Mit der aktuellen Entscheidung der niederländischen Regierung für ein Klima-Abkommen, stehe sowohl für die Industrie als auch für die Haushalte ein großer Wandel bevor. In Deutschland habe man beim Einsatz energieeffizienter Lösungen einen Vorsprung, beispielsweise was Produktionsweisen der Industrie anbelange. Damit biete dieser Sektor gute Möglichkeiten, um den niederländischen Markt jetzt für sich zu entdecken. „Die Nachfrage in den Niederlanden ist wirklich groß. Wer ein schlüssiges Angebot im Bereich der erneuerbaren Energien beziehungsweise der Energieeffizienz vorweist, muss sich schon ungeschickt anstellen, kein Geld damit zu verdienen“, brachte Gülker es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

In puncto „Brexit“ meinte der Wirtschaftsexperte, der Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU werde die Niederlande aufgrund der historisch und wirtschaftlich sehr intensiven Verbindungen treffen. Der Export nach Großbritannien, für die Niederlande der drittwichtigste Handelspartner, schrumpfte bereits im Jahr 2018. Das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden wird der Brexit wohl nicht beeinträchtigen, eher im Gegenteil. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt: „Krisenzeiten sind gute Zeiten für starke Nachbarländer.“

Nach dem Vortrag nutzten die Grafschafter Unternehmer die Gelegenheit, ihre Fragen an Günter Gülker zu richten. Wie sich denn überhaupt der erste Schritt für eine deutsche Firma bei der Orientierung Richtung Niederlande gestalte, wollte einer der Gäste wissen. Dies hänge jeweils von der Branche ab, so Gülker. Von Vorteil sei es aber immer, wenn ein Betrieb über niederländischsprachige Mitarbeiter verfüge. „Das Schöne bei Niederländern ist: Der erste Kontakt, das erste Gespräch beim „Koffie“ ist schnell vereinbart.“

Aufmerksam folgten die Anwesenden den Ausführungen Gülkers. Einige der vertretenen Unternehmen können bereits auf einen reichen Erfahrungsschatz blicken. Die Voshaar Palettenwerk GmbH & Co. KG aus Neuenhaus etwa ist schon seit 20 Jahren auf dem niederländischen Markt unterwegs, wie Geschäftsführer Frank Sievert berichtet: „Das sind gewachsene Beziehungen.“ Dennoch könne man auch nach so langer Zeit immer noch etwas dazu lernen – insofern sei der Vortrag auch für ihn sehr interessant gewesen. Grundsätzlich gelte aber für beide Märkte die gleiche Maxime: „Das Produkt muss stimmen – hier genauso wie in den Niederlanden.“

Auch der Elektrogroßhandel K. Heinz Moelle aus Nordhorn hat seit einiger Zeit niederländische Kunden – in den vergangenen zwei Jahren seien die Bestrebungen um Abnehmer aus dem Nachbarland aber intensiviert worden, sagen Klaus Barlage und Christian Veldhoff. Derzeit sei man etwa im Begriff, Mitglied des World Trade Centers Twente, einer Plattform für internationale Geschäftstätigkeiten in der Region, zu werden. Für das Unternehmen liegt der Griff über die Grenze auf der Hand: „Letztlich ist es ja egal, ob wir auf der Autobahn Richtung Osnabrück oder Richtung Amsterdam fahren.“

Alle Infos zur Deutsch-Niederländischen Handelskammer sind unter www.dnhk.org nachzulesen.