Neue Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce in Nordhorn gestartet

Betriebe, Auszubildende und Berufsschullehrkräfte in der Grafschaft Bentheim betreten in diesen Tagen neues Terrain: Seit Anfang des Monats absolvieren neun junge Menschen im Kreisgebiet die duale Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce. Alle Beteiligten leisten Pionierarbeit: Erst im vergangenen Dezember ist die entsprechende Verordnung über die neue Berufsausbildung in Kraft getreten, zum 1. August dieses Jahres erfolgte die deutschlandweite Einführung. Innerhalb von drei Jahren entwickeln sich die jungen Grafschafter nun zu Fachkräften im Bereich des Onlinehandels.

In den zurückliegenden Monaten hatte die „Arbeitsgruppe Kaufmann/-frau im E-Commerce“, bestehend aus der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim, der Agentur für Arbeit, den Kaufmännischen Berufsbildenden Schulen (KBS) und dem Landkreis Grafschaft Bentheim als Schulträger intensiv für das neue Berufsbild geworben und gezielt Unternehmen sowie Schülerinnen und Schüler über die Möglichkeiten informiert. Große Freude herrscht nun auf allen Seiten, dass jetzt neun Azubis an den Start gehen und das Feld der digitalisierten Wirtschaft in der Region weiter voranbringen. Immerhin ein Drittel aller Unternehmen in der Grafschaft ist im Onlinehandel aktiv - Tendenz steigend.

Besonders erfreut sind die Beteiligten darüber, dass die KBS Nordhorn mit engagierter Unterstützung des Schulträgers als einer von wenigen Berufsschulstandorten in Niedersachsen den neuen Ausbildungsberuf anbieten können und den Berufsstartern somit einen wohnortnahen Schulbesuch ermöglichen. Am vergangenen Freitag erlebten die angehenden E-Commerce-Kaufleute ihren „ersten Schultag“. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte mit. „Ich war im ersten Ausbildungsjahr zum Kaufmann für Büromanagement, als mein Chef mich ansprach, dass er jetzt die Berechtigung hat, zum Kaufmann im E-Commerce auszubilden“, berichtet Petrit-Julian Kanthak aus Nordhorn. Nach einiger Recherche im Internet entschied er sich für den Wechsel - schließlich habe er dieses Thema schon immer interessant gefunden.

„Ich habe erst zwei Semester Wirtschaftsinformatik studiert und mich dann recht kurzfristig für die Ausbildung entschieden. Viele Betriebe haben erst spät nach Auszubildenden gesucht“, erzählt Daniel Michel. Die Auszubildenden fühlen sich in ihren Unternehmen willkommen. Dort gibt es Mitarbeiter, die sich um die Onlineshops kümmern. In dem Wachstumssegment erhalten sie nun qualifizierte Unterstützung. Das Vorhandensein eines Onlineshops ist eine zentrale Bedingung zur Ausbildungsberechtigung der Firmen.

Viele der Azubis haben in ihrem Umfeld erst einmal die Frage erlebt: „Kaufmann im E-Commerce - Was ist das eigentlich?“ So dürfte es nach wie vor manchem Unternehmen gehen. KBS-Schulleiter Wolfgang Schönnagel vermutet, dass die Betriebe den Start des neuen Ausbildungsberufs erst einmal beobachten und die Zahl der Auszubildenden in den kommenden Jahren dann peu à peu steigen wird. Auch für die Schule sei der Start der Kaufleute im E-Commerce etwas Besonderes. „Dass ein völlig neuer kaufmännischer Ausbildungsberuf bundesweit neu eingeführt wird, geschieht etwa alle zehn Jahre einmal“, so Schönnagel, der sich sehr über das neue Angebot freut. „Als dualer Partner wollen und müssen wir am Puls der Zeit bleiben.“

Die zuständige Koordinatorin an den KBS, Frauke Hofschröer, berichtet von der Einrichtung der neuen Berufsschulklasse: „Es war kein Problem, die allgemeinbildenden Fächer und die berufsspezifischen Lernfelder zu besetzen. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind offen für neue Herausforderungen und sehen es als Chance, innovativ zu arbeiten.“ Themen, die in der Gesellschaft rasant vorangetrieben werden, würden schon immer im Unterricht Berücksichtigung finden und nun auch über den neuen Ausbildungsberuf Einfluss auf den Berufsschulunterricht nehmen.

Als Interessenvertretung von mehr als 200 Unternehmen im Landkreis hat sich auch die Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim von Anfang an für die Etablierung des modernen Berufsbilds stark gemacht. „Der Arbeitsmarkt in der Grafschaft Bentheim war noch nie so aufnahmefähig wie heute, jedoch drängt das Problem des Fachkräftemangels. Regionale Unternehmen suchen händeringend Fachkräftenachwuchs, insbesondere für die Unternehmensbereiche, die dem digitalen Wandel unterliegen“, sagt Jutta Lübbert, Geschäftsführerin bei der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim. „Grafschafter Unternehmen können durch ein erweitertes Ausbildungsspektrum interessierte Schüler/innen gewinnen, die sich durch neue moderne Ausbildungsformate eher angesprochen fühlen.“