Arbeitgeber-Speeddating bei der diesjährigen Schülerakademie

Alle 15 Minuten tönt ein Gong durch die Räume des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen - das Signal zum Wechsel beim Arbeitgeber-Speeddating. 14 Mitgliedsunternehmen der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim und dem Wirtschaftsverband Emsland sind vertreten und präsentieren sich potentiellen neuen Mitarbeitern. Ihre Gesprächspartner: Motivierte Schülerinnen und Schüler der Oberstufe aus verschiedenen Gymnasien beider Landkreise, die gerade die einwöchige Schülerakademie am LWH besuchen. Die Aktion soll den Jugendlichen aufzeigen, welche beruflichen Perspektiven die hiesige Wirtschaft für sie hat.

Die insgesamt 74 jungen Teilnehmer hatten sich zuvor über die Unternehmen informiert und fünf Betriebe ausgewählt, die sie näher kennenlernen wollten. Jeweils für eine Viertelstunde konnten sie sich dann in Kleingruppen mit Vertretern einer Firma unterhalten und Fragen stellen, ehe es nach dem Gongschlag zum nächsten Arbeitgeber ging.

Beim Arbeitgeber-Speeddating herrschte reger Austausch zwischen Schülern und Unternehmensvertretern

Neben den Grafschafter Nachrichten und WKS kamen die Euregio Klinik, Klasmann-Deilmann, Neuenhauser Maschinenbau und Emslandstärke als Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung beim Arbeitgeber-Speeddating mit den Teilnehmern der diesjährigen Schülerakademie ins Gespräch.

Bevor das Arbeitgeber-Speeddating startete, hatte Dieter Onnen von der Agentur für Arbeit in Nordhorn das Wort an die Schüler gerichtet und über die jeweiligen Vorteile von Studium und dualer Berufsausbildung gesprochen: „Sie müssen sich irgendwann entscheiden und tun gut daran, sich frühzeitig zu informieren. Damit vermeiden Sie, einen begonnenen Weg abzubrechen“, mahnte er an. Immerhin ein Drittel aller Studierenden in Deutschland beende das Studium vorzeitig – wegen zu hoher Leistungsanforderungen, mangelnder Motivation oder aufgrund des Wunschs nach praktischer Arbeit.

Über die Form des Speeddatings äußern sich sowohl die Vertreter der Betriebe als auch die Gymnasiasten positiv. Lena Snippe, Ausbildungsleiterin der Firma WKS aus Wilsum, hat die Schüler als „sehr interessiert“ wahrgenommen: „Man ist gut mit ihnen in den Dialog gekommen, ihre Fragen waren nicht oberflächlich.“ Das Hauptziel für das Unternehmen ist klar: potentielle Bewerber für die Ausbildungsplätze finden. Deshalb ist die WKS-Mitarbeiterin zusammen mit den Auszubildenden Imke Klompmaker und Raphael Lammers vor Ort. Letztere haben im Rahmen eines Azubi-Projekts die Teilnahme am Speeddating vorbereitet, sich dafür in die Lage unentschlossener Jugendlicher versetzt und vorab überlegt, was den angehenden Abiturienten wichtig sein könnte.

Großer Andrang herrschte auch bei Christine Keuter und Eike Züwerink von den Grafschafter Nachrichten: Ganze 41 Schüler hatten sich für den Infostand der Tageszeitung angemeldet. Die GN-Mitarbeiterinnen loben mit Blick auf das Format der Aktion, dass die Gymnasiasten sich schon vorher über die Unternehmen informiert haben: „Sonst wären die Gespräche nicht so hochwertig gewesen.“

Auch die Schülerinnen und Schüler selbst betonen den Mehrwert des Speeddatings. Bei einer Zehntklässlerin hat das Info-Angebot gar einen Wandel im Berufswunsch ausgelöst: „Eigentlich wollte ich Jura studieren, aber jetzt interessiere ich mich für ein duales Studium bei einem Bauunternehmen“, erzählt sie. Ein weiterer Schüler berichtet: „Ich bin mir noch nicht sicher, was ich machen möchte, und habe mich eher willkürlich bei verschiedenen Unternehmen angemeldet.“ Grundsätzlich tendiere er zu einem Studium, doch das Speeddating sei ein guter Anstoß für weitere Überlegungen gewesen. Er lobt die Organisation der Zusammenkunft: In den Kleingruppen habe er die Möglichkeit gehabt, all seine Fragen zu stellen.

Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung der Grafschaft Bentheim, würdigt den Austausch zwischen Schülern und Unternehmen als gelungene Form, jungen Menschen eine Plattform zur dualen Berufsorientierung, sowohl hinsichtlich einer Ausbildung als auch eines Studiums, zu bieten. „Ein ganz besonderes Augenmerk wollen wir auf die duale Ausbildung richten, denn sie ist durchaus ein Thema für Abiturienten“. Die Wirtschaftsvereinigung ist seit vielen Jahren Förderer der Schülerakademie.