Gespräch mit Albert Stegemann: Verlässliches Mobilfunknetz bis an jede Milchkanne notwendig

Auch wenn der Breitbandausbau in der Grafschaft Bentheim vorankommt, ein verlässliches Mobilfunknetz ist weiter Mangelware. Damit sich das ändert, hat die Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim den CDU-Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann zum Gespräch gebeten. „Wir haben die Befürchtung, dass die Grafschaft durch eine schlechte digitale Infrastruktur dauerhaft abgehängt werden könnte“, schildert der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Klaas Johannink.

Insbesondere die Mobilfunkversorgung habe sich für die Grafschaft Bentheim in den letzten Jahren zu einem Standortnachteil entwickelt. „Die Netzabdeckung ist in vielen ländlichen Räumen schwierig. Aufgrund des besonderen Grenzverlaufs zu den Niederlanden haben wir jedoch einen weiteren strukturellen Nachteil. Und die Telekommunikationsunternehmen haben kein ernsthaftes wirtschaftliches Interesse an einer flächendeckenden Erschließung“, sagt Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung. So bleibt die Grafschaft bis zum heutigen Tag nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Signalstärken der deutschen und niederländischen Netzanbieter benachteiligt.

Im Gespräch kündigte Stegemann an, dass der Bund bis Mitte 2019 einen Plan vorlegen wird, wie die Funklöcher im aktuell bestehenden 4G-Netz geschlossen werden sollen. „Ständige Netzabbrüche und Funklöcher sind nicht hinnehmbar. Wir brauchen daher schnellstmöglich eine hundertprozentige Erschließung mit 4G-Netzqualität“, so der Abgeordnete.

Mit Blick auf die nächste Mobilfunkgeneration 5G machte Stegemann klar, dass er kurzfristig nicht mit einem flächendeckenden Ausbau in der Grafschaft rechne. „Dazu ist die Reichweite je Funkmast bei den hohen Frequenzen, die im kommenden Jahr versteigert werden, zu niedrig. Wir setzen aber alles daran, soviel 5G wie möglich zu bekommen“, so Stegemann.

Gleichwohl war sich Stegemann mit der Wirtschaftsvereinigung einig, dass auch 5G schnell flächendeckend verfügbar sein müsse: „Wir brauchen ein verlässliches Mobilfunknetz an jeder Milchkanne!“. Zwar können mit dem aktuellen Standard 4G bereits heute hohe Datenübertragungsgeschwindigkeiten erreicht werden, 5G hat jedoch eine deutlich niedrigere Verzögerungszeit (die sog. Latenz) bei der Datenübermittlung. Das ist besonders für neue Technologien wichtig, etwa in Industriebetrieben, der Gesundheitsversorgung oder der Landwirtschaft.

Die Gesprächspartner brachten daher ein regionales Netz ins Spiel, welches in eines der drei großen Netze eingebunden werden könnte. Stegemann verwies auf die künftige Möglichkeit lokaler Netze. „Damit diese tatsächlich kommen können, wollen wir zeitnah das Telekommunikationsgesetz ändern. Dann soll eine Einbindung in ein bundesweites Netz angeordnet werden können“, so Stegemann. „Um dieses innovative Verfahren zu testen, stellen wir uns gern als Modellregion zur Verfügung“, versicherten die Vertreter der Wirtschaftsvereinigung ihre Unterstützung. Eine andere Option sei es, die Wirtschaftlichkeitslücke von Funkmasten an schwierigen Standorten durch eine staatliche Förderung zu schließen.

Zum Schluss betonte Stegemann, dass der Breitband- und Mobilfunknetzausbau für ihn mit die schwierigste Aufgabe als direkt gewählter Abgeordneter sei. „Seit 2013 kämpfe ich für den Netzausbau insbesondere in der Grafschaft und im Emsland. Beim Breitbandausbau haben wir dank großer finanzieller Hilfe seitens des Bundes und dem großartigen Engagement vor Ort viel erreicht. Für ein flächendeckendes Mobilfunknetz brauchen wir die Bundesnetzagentur sowie die Netzbetreiber. Hier spürbare Unterstützung zu erhalten, ist aber Schwerstarbeit.“

Foto: Albert Stegemann im Gespräch mit dem geschäftsführenden Vorstand und der Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim. Von links: Klaas Johannink, Vorstandsvorsitzender; Albert Stegemann MdB; Dr. Jörg Grundmann, Schatzmeister; Jochen Anderweit, stellvertretender Vorsitzender; Jutta Lübbert, Geshäftsführerin.