Mittagsgespräch mit Minister Olaf Lies: Fachkräftesicherung und Infrastruktur im Fokus

Rund 30 Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung haben am 05.09.2017 an einem Mittagsgespräch mit dem Minister des Landes Niedersachsen für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Olaf Lies teilgenommen. Auf der Agenda standen die Themen wirtschaftliche Gesamtentwicklung, regionale Besonderheiten, Fachkräftebedarf und duale Ausbildung. Nach einem kurzen Impulsvortrag von Jutta Lübbert hatten die Mitglieder die Möglichkeit, direkt mit dem Minister zu sprechen.

Im neuen Café NINO begrüßten Klaas Johannink von der Ringoplast GmbH und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsvereinigung sowie Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung, Minister Olaf Lies. In einem Impulsvortrag hob Jutta Lübbert das starke Netzwerk hervor, das die Wirtschaftsvereinigung in der Grafschaft Bentheim darstellt. Im Folgenden ging sie auf die sehr positive Entwicklung der Bevölkerung und Beschäftigung in der Grafschaft Bentheim sowie die ausgewogene Beschäftigungsstruktur ein. Die im Landesvergleich überproportionale Ausprägung des produzierenden Gewerbes und der Logistik zeigten, so Lübbert, einen hohen Fachkräftebedarf im gewerblich-technischen Bereich. Damit komme der dualen Ausbildung in der Grafschaft Bentheim eine besondere Bedeutung bei der Deckung des Fachkräftebedarfs zu.

Bei folgenden Themen bat Jutta Lübbert im Namen der regionalen Wirtschaft die Landespolitik um Unterstützung:

  • Förderung der dualen Ausbildung: Ausbildung und Studium müssen in der öffentlichen Wahrnehmung als gleichwertig anerkannt werden, die ortsnahe Beschulung von Auszubildenden muss erhalten werden, die Unterrichtsversorgung an Berufsbildenden Schulen verbessert und Digitalisierungs-Projekte an Berufsbildenden Schulen ausgeweitet werden.
  • Integration von Flüchtlingen und Migranten in den Arbeitsmarkt: Nur etwa 15% der Flüchtlinge in Niedersachsen haben Fachkräfteniveau. Der Weg vom Flüchtling zur Fachkraft bleibt beschwerlich und ist teuer. Ohne Unterstützung seitens der Politik können Unternehmen diese Aufgabe nicht bewältigen.
  • Digitalisierung und Innovation: Die vorhandene digitale Infrastruktur entscheidet über die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit einer Region. Gerade ländliche Gebiete wie die Grafschaft Bentheim haben hier Nachholbedarf. Deshalb kommen dem Ausbau der digitalen Infrastruktur, insbesondere der Breitband- und Mobilfunkversorgung, eine besondere Bedeutung zu.
  • Energie und Energieeffizienz: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn der Netzausbau beschleunigt wird. Kosten- und Versorgungsrisiken müssen dabei für die Unternehmen minimiert werden. Außerdem müssen Unternehmen dringend bei der EEG-Umlage entlastet werden. Gerade in der Grafschaft Bentheim gibt es sehr viele Unternehmen im produzierenden Gewerbe, die stark exportabhängig sind. Ein Anstieg der EEG-Umlage wie prognostiziert, führt zu Wettbewerbsnachteilen.
  • Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur: Projekte wie der Ausbau der Ost-West-Achse (Amsterdam-Berlin-Warschau) durch den Ausbau der E233 sowie die Wiederanbindung Nordhorns an den Schienen-Personen-Nahverkehr sind für den Wachstumskurs der Region wichtig.
  • Daseinsvorsorge im Gesundheitsbereich: Eine gute medizinische Versorgung in ländlichen Räumen stellt einen wichtigen Standortfaktor für die Fachkräftegewinnung und -bindung dar. So müssten zum Beispiel Pflegekräfte in allen Bundesländern gleich entlohnt werden. Die 20 % höhere Entlohnung für Pflegekräfte in Nordrhein-Westfalen ist ein Standortnachteil für die Grafschaft Bentheim.