Kooperationsvereinbarung Betriebliche Integration von Flüchtlingen: Bericht aus einem Mitgliedsunternehmen

Seit November 2016 kontrolliert Foto Teklebrahn Aynom bei der Deppe Backstein-Keramik GmbH die Qualität der Backsteine.
Marion Matthäus von der Wirtschaftsvereinigung, Alide Plasger vom Jobcenter, Foto Teklebrahn Aynom und Benjamin Koops von Deppe Backstein-Keramik (v.l.n.r.).

Ein Backstein nach dem anderen wandert über das Förderband in der Betriebshalle der Ziegelei Deppe – stets unter dem strengen Blick von Foto Teklebrahn Aynom. Ist ein Stein beschädigt oder das Farbspiel unharmonisch, wird das Teil aussortiert oder neu gemischt. Schließlich soll der Anblick auf der Palette und am Gebäude ein ausgewogenes Gesamtbild ergeben. Seit dem 1. November 2016 ist der 21-Jährige aus Eritrea bei dem Unternehmen in Uelsen-Lemke in Vollzeit beschäftigt. Assistent der Geschäftsführung, Benjamin Koops, betont mit großer Zufriedenheit: „Herr Teklebrahn Aynom arbeitet zuverlässig und ist voll in die Produktion integriert.“

Vor drei Jahren kam der junge Mann nach Deutschland. Seine Flucht führte ihn durch den Sudan und Libyen, wo er als Maurer und Kellner jobbte. In Nordhorn angekommen, eignete er sich in einer Sprachklasse an den Berufsbildenden Schulen erste Deutschkenntnisse an. Über das Qualifizierungsprojekt „AMIGO“ des Grafschafter Jobcenters kam schließlich der Kontakt zur Ziegelei Deppe zustande. Täglich von 6.30 bis 16 Uhr versieht Foto Teklebrahn Aynom seither seinen Dienst an der Abpackanlage. „Am Anfang war vieles neu, aber es klappt immer besser“, berichtet er voller Motivation.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind zufrieden – und schon jetzt gibt es neue Ziele: Beide Seiten peilen an, dass der Eritreer im kommenden August eine Ausbildung zum Industriekeramiker antritt.

Wirtschaftsvereinigung und Landkreis unterstützen gemeinsam

Geschichten wie diese sollen in der Region Schule machen, wenn es nach dem Wunsch der Wirtschaftsvereinigung und des Landkreises Grafschaft Bentheim geht. Die Zuwanderer in unsere Gesellschaft zu integrieren, stellt nämlich nicht nur eine zentrale Herausforderung dar – es birgt auch großes Potential für die heimischen Unternehmen. Seit fast einem Jahr geht man deshalb bei der betrieblichen Integration von Flüchtlingen Hand in Hand. Ein Kooperationsvertrag über das gemeinsame Vorhaben, Migranten und Arbeitgeber zusammenzuführen, wurde im Mai 2016 von beiden Partnern unterzeichnet.

Dabei soll das gebündelte Knowhow der Akteure zum Erfolg führen: Während das Integrationszentrum des Landkreises durch genaues Profiling die Kompetenzen und Potentiale der Flüchtlinge feststellt, unterstützt die Wirtschaftsvereinigung durch ihre Nähe zu möglichen Arbeitgebern aktiv die Vermittlung. Angestrebt wird eine Win-win-Situation: Den Betrieben eröffnet sich eine Chance, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Für die Flüchtlinge bedeutet eine Arbeitsstelle die Perspektive, in der Gesellschaft Fuß fassen zu können.

Die Vereinbarung zwischen Wirtschaftsvereinigung und Landkreis ist als langfristige Kooperation angelegt. Auch für 2017 sind verschiedene Aktivitäten geplant. So befasst sich der Arbeitskreis Personal der Wirtschaftsvereinigung mit dem Thema „Interkulturelles Management“. Im September tagt der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT unter dem Motto „Ankommen-Qualifizieren-Integrieren“, wobei der Landkreis seine Unterstützungsangebote präsentiert.

Viele Fragen, eine Lotsin

Wer mit dem Gedanken spielt, zugewanderte Menschen in seinem Betrieb einzustellen, sollte sich einen Namen notieren: Alide Plasger. Die 26-Jährige ist beim Grafschafter Jobcenter als „Arbeitgeberlotsin Flüchtlinge“ tätig und auf die komplexen Herausforderungen bei der Vermittlung spezialisiert. Schließlich stellen sich den Unternehmern zahlreiche Fragen – etwa zu Arbeitserlaubnis, Bleibeperspektive oder sonstigen behördlichen Anforderungen.

Als zentrale Ansprechpartnerin greift Alide Plasger den Arbeitgebern unter die Arme, indem sie zielgerichtet alle nötigen Informationen beschafft und sich der Klärung jedes Einzelfalls annimmt. Sie tritt dafür mit verschiedenen Stellen wie der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit in Kontakt, gibt schnellstmöglich Rückmeldung und hilft bei den Formalitäten.

Seit dem 1. März 2016 waltet die Lotsin ihres umfangreichen Amtes. „Die Integration geflüchteter Menschen zu begleiten, ist ein spannendes und vielseitiges Aufgabenfeld“, berichtet Alide Plasger. Ihre Netzwerkarbeit, die Kontakte zu Arbeitgebern und die Betreuung von Bewerbern läuft bis dato erfolgreich: „Bislang gab es mit Blick auf Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungen keine Abbrüche.“ Zu erreichen ist die Arbeitgeberlotsin telefonisch unter der Nummer 05921 966 249.

In der neuen Heimat angekommen

Der junge Eritreer Foto Teklebrahn Aynom hat auch auf sozialer Ebene Anschluss gefunden. In seiner Freizeit spielt er Fußball in einem Nordhorner Verein, und auch die Kollegen haben ihn herzlich in ihrem Kreis aufgenommen. Benjamin Koops erinnert sich voller Freude an die zurückliegende Weihnachtsfeier: „Da wurde er als neuer Mitarbeiter vorgestellt – und es gab kräftigen Applaus!“