Arbeitskreis SchuleWirtschaft informiert über Karrierechancen einer dualen Berufsausbildung

Wie ist es um die duale Ausbildung in der Grafschaft Bentheim bestellt und welche Aussichten haben junge Erwachsene, die mit einer „Lehre“ in das Berufsleben starten? Um diese großen Fragestellungen ging es am Mittwoch, 1. März, im NINO-Hochbau Kompetenzzentrum Wirtschaft in Nordhorn. Eingeladen hatte der Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT der Grafschaft Bentheim.  Mehr als 70 Eltern, Schüler, Lehrer und Unternehmensvertreter informierten sich in dem Fachvortrag.

„Der Fachkräftemangel in gewerblich-technischen Berufen in der Grafschaft Bentheim steht uns nicht bevor, sondern wir stecken mitten drin“,  sagte Wolfgang Wesselink, Personalchef bei der Neuenhauser Maschinenbau GmbH und verantwortliches Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung für das Kompetenzfeld Bildung und Fachkräfte. Dies liege unter anderem auch daran, dass die Nachfrage nach bestimmten Ausbildungsberufen zunehmend sinke. Gleichzeitig steige die Übergangsquote von der Grundschule zum Gymnasium jährlich an. In der Grafschaft Bentheim liege diese aktuell bei 44,5 % Prozent und befände sich damit noch unter Landesdurchschnitt.

Dass auch eine berufliche Ausbildung vorzügliche Karrieremöglichkeiten biete, führte Wesselink am Beispiel der Neuenhauser Maschinenbau GmbH auf. „Fast die Hälfte unserer Führungskräfte haben eine duale Berufsausbildung durchlaufen. Natürlich war diese erst der Anfang des beruflichen Werdegangs. In zweiter Stufe folgten Weiterbildungen zum Fachwirt oder Fachkaufmann, Industriemeister oder sogar Weiterbildungen zu Betriebswirten.“

Auch Sabine Stöhr, Geschäftsführerin des Industriellen Arbeitgeberverbands Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, bestätigte in ihren Grußworten die wachsenden Besetzungsschwierigkeiten von Ausbildungsstellen. Im IHK-Bezirk Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim seien im Jahr 2016 rund 330 Stellen unbesetzt geblieben. 

Eine berufliche Ausbildung zahlt sich für junge Erwachsene in jedem Fall aus. Das ist das Fazit von Dr. Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Zuvor benannte er in seinem Vortrag „Duale Ausbildung – echt stark!“ drei Entwicklungen, die die duale Ausbildung zunehmend unter Druck setzten. Derzeit seien rund 13,2 Millionen Personen in Deutschland im Alter von 45 bis 54 Jahren beschäftigt. Diesem Arbeitskräftepotenzial stünden nur 7,2 Millionen 5 bis 14-Jährige entgegen. „In spätestens 10 Jahren fehlen der deutschen Wirtschaft 6 Millionen Köpfe, was fatale Folgen, auch für unser duales Ausbildungssystem haben wird“, so Koppel. Gleichzeitig habe sich die Zahl der Studienanfänger innerhalb der letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt, während die Zahl der Ausbildungsanfänger zurückgegangen sei. Haben im Jahr 1994 noch 2.600.000 junge Erwachsene ein Studium aufgenommen und 5.600.000 eine duale Ausbildung begonnen, so hätten sich diese Zahlen im Jahr 2015 nahezu angenähert. 522.093 Ausbildungsanfängern stünden nun 505.736 Studienanfänger gegenüber. Der sogenannte „Kamineffekt“ ist die dritte Bedrohung für die duale Ausbildung. Gemeint ist damit die Tatsache, dass sich viele junge Erwachsene nach einer abgeschlossenen dualen Ausbildung doch noch für ein Studium entscheiden. Dies sei insbesondere im gewerblich-technischen Bereich stark ausgeprägt.

Bereits heute gebe es Berufsgruppen, in denen man von einem gravierenden Fachkräfteengpass sprechen könne. „Im gewerblich-technischen Bereich wie den Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen sowie den medizinischen Pflegeberufen kann bereits heute der Bedarf nicht mehr mit allen Arbeitslosen aus diesem Bereich gedeckt werden“, sagte Koppel. Auf 100 Arbeitslose kämen bei den technischen Berufen rund 200 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete offene Stellen. „In diesen Berufsfeldern kann man fast nicht arbeitslos werden“, so Koppel weiter.

Auch monetär rechne sich eine duale Ausbildung. Während bereits die Vergütung in den kaufmännischen Berufsausbildungen in den letzten zehn Jahren um rund neun Prozentpunkte im Vergleich zu Arbeitnehmern ohne Berufsausbildung angestiegen sei, seien die Verdienstmöglichkeiten in MINT-Ausbildungsberufen um 12,3 Prozentpunkte angestiegen und lägen nun sogar über dem Verdienstniveau der „sonstigen Akademiker“. „Eine Ausbildung als Elektriker, Mechatroniker und in sonstigen industrienahen, gewerblich-technischen Bereichen lohnt sich. Und zwar deutlich!“, so Koppels Fazit.

Gleichzeitig sei der Bedarf an MINT-Fachkräften, die sich über eine klassische Ausbildung qualifizierten, in der Grafschaft Bentheim besonders groß. 15,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zählten in der Grafschaft Bentheim zu dieser Berufsgruppe, was deutlich über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt liege. Damit seien die Berufsaussichten bei MINT-Ausbildungsberufen zwar besonders groß, der Handlungsbedarf zur Fachkräftesicherung aber auch.

Annelen Möller-Busmann, Leiterin des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT Grafschaft Bentheim und Lehrerin an der Oberschule Schüttorf ermunterte die Anwesenden, Schule als ein Netzwerk von Schülern, Eltern, Lehrern und Unternehmen zu betrachten. Nur so könnten die Potenziale der einzelnen Schülerinnen und Schüler erschlossen und gefördert werden. Den Übergang von der Schule in den Beruf müssten sich die jungen Menschen dann eigenverantwortlich gestalten. Am Ende formulierte Möller-Busmann einen Wunsch: „Wenn es uns Erwachsenen gelingt, die Jugendlichen gemäß ihrer Stärken und Interessen auf ihr Berufsleben vorzubereiten, dann haben wir zufriedene Auszubildende und hoffentlich auch weniger Studienabbrecher.“